Zwischen Selbstzweifel und Stundensatz: Warum das Thema so verdammt schwer ist

Wie viel ist dein Design wert?
Nicht in Farben, nicht in Pixeln, sondern in Euro.
Eine dieser Fragen, die Freelancern regelmäßig den Kopf sprengen. Nicht, weil sie zu kompliziert wäre – sondern weil sie so viel berührt: das eigene Selbstverständnis, das Verhältnis zu Geld, das Gefühl für Wert. Und ja, manchmal auch das berühmte Impostor-Syndrom.

Design fühlt sich oft „kreativ“ an. Leidenschaftlich. Nicht wie ein klassischer Job.
Und genau da liegt der Haken: Viele Designer*innen trauen sich nicht, wirklich professionelle Preise zu verlangen – weil sie ihre eigene Arbeit eher als Geschenk sehen als als Leistung.

Das Ergebnis: zu niedrige Stundensätze, Bauchgefühl-Angebote und die ständige Angst, jemandem „zu teuer“ zu sein.

Aber was wäre, wenn du deinen Preis mit Klarheit festlegen könntest – und ihn nicht rechtfertigen musst?
Was wäre, wenn du wüsstest, was du brauchst, was du wert bist und was du verlangen darfst?

Genau dafür ist dieser Beitrag da. Kein Bullshit. Keine Verkaufsfloskeln. Nur echtes Wissen aus der Praxis – und ein bisschen Haltung dazu.

Die Ausgangslage: Was viele falsch machen (und warum das so normal ist)

Die meisten Freelancer starten mit zwei Fragen: – „Was nehmen andere?“
– „Was würde ich selbst zahlen?“

Klingt vernünftig. Ist aber gefährlich.
Denn:

  1. Du weißt nicht, wie andere rechnen. Vielleicht arbeiten sie in Vollzeit, zahlen keine Steuern, oder sie leben noch bei den Eltern. Vielleicht sind sie unterbezahlt und wissen es nicht. Oder sie nehmen viel – und liefern wenig.
  2. Du bist nicht deine Zielgruppe. Was du zahlen würdest, hat nichts damit zu tun, was ein Unternehmen oder ein Startup bereit ist zu investieren – wenn du das Problem wirklich löst.

Preise nach außen zu orientieren, ist also fatal.
Besser: Du rechnest von innen. Von dir aus. Und von deinem echten Aufwand, deinem Know-how und deinem Ziel.

Schritt 1: Deinen realistischen Stundensatz berechnen

Ein ehrlicher Stundensatz ist keine Bauchentscheidung – sondern das Ergebnis einer einfachen, aber oft nie gemachten Rechnung.

Formel (vereinfacht):

(Gewünschtes Netto-Jahreseinkommen + Fixkosten + Puffer + Steuern) / (verrechenbare Stunden pro Jahr)

Lass uns das durchspielen:

Beispiel:

Du willst 40.000 € netto im Jahr verdienen.
Dazu hast du Fixkosten (Versicherungen, Tools, Coworking) von 8.000 € jährlich.
Du planst 25 % Puffer für Rücklagen, Krankheit, Weiterbildung etc.
Und dann noch Steuern (sagen wir: 25 %).

Und jetzt das Entscheidende:
Du hast nicht 40 Stunden pro Woche zur Verfügung – sondern vielleicht 20 Stunden, die wirklich fakturierbar sind. Der Rest geht für Akquise, E-Mails, Orga, Pausen, Kundenpflege und Kaffee drauf.

Die Rechnung:

Jahresbedarf brutto:
40.000 € + 8.000 € = 48.000 €

  • 25 % Rücklagen = 60.000 €
  • 25 % Steuern = 75.000 € brutto

Verrechenbare Stunden pro Jahr:
52 Wochen – 4 Wochen Urlaub – 2 Wochen krank → 46 Wochen
× 20 fakturierbare Stunden → 920 Stunden

Dein Stundensatz:
75.000 € / 920 h = 81,52 €

Das ist dein Break-even-Stundensatz.
Alles darunter ist Selbstausbeutung. Alles darüber ist Wachstum.

Und ja – je nach Anspruch, Positionierung und Qualität kann dein Satz auch 120 €, 150 € oder mehr betragen. Die Grenze ist nicht nach unten, sondern nach oben offen – solange du deine Leistung begründen kannst.

Schritt 2: Das Angebot ist nicht nur Preis – es ist Positionierung

Viele Designer*innen schicken Angebote wie Preislisten:
Logo: 300 €
Visitenkarte: 90 €
Website: 1.000 €

Das Problem: So wirkt dein Angebot wie ein Produkt, nicht wie eine Lösung.
Aber du verkaufst kein Logo. Du verkaufst Wahrnehmung. Klarheit. Wirkung. Identität.

Ein gutes Angebot…

  • zeigt, dass du das Problem verstanden hast
  • bietet eine maßgeschneiderte Lösung
  • erklärt, was der Kunde bekommt (nicht nur optisch, sondern funktional)
  • bricht nicht alles in Einzelteile runter – sondern bietet Pakete

Tipp:
Arbeite mit Modulen – z. B.
„Branding Start“,
„Corporate Kit“,
„Website Komplett“ – jeweils mit konkreten Inhalten und Benefits.
Das wirkt professioneller, klarer – und ist besser verkaufbar.

Und wenn du dein Angebot nicht immer neu schreiben willst: In der Design Flatrate arbeite ich z. B. mit klaren Modellen, die Kunden sofort verstehen und die mir ermöglichen, effizient und konstant zu liefern. Aber das nur als Beispiel …

Schritt 3: Vermeide Denkfehler – die häufigsten Preis-Killer

1. „Der Kunde kann sich das nicht leisten.“

Wenn jemand kein Budget hat, ist das kein Grund, deinen Preis zu senken.
Es ist nur ein Zeichen, dass er (noch) nicht dein Kunde ist.
Du bist kein Discounter – du bist Dienstleister. Und deine Leistung ist messbar wertvoll.

2. „Ich bin noch nicht so lange dabei.“

Unerfahren = nicht wertvoll?
Falsch.
Wenn du sauber arbeitest, kommunizierst, lösungsorientiert denkst und echtes Designverständnis mitbringst, kannst du vom ersten Tag an solide Preise nehmen.

Erfahrung ist ein Faktor – aber nicht der einzige.
Qualität, Kommunikation und Klarheit zählen mindestens genauso.

3. „Wenn ich günstiger bin, sagen mehr Leute ja.“

Klingt logisch – ist aber oft falsch.
Denn zu niedrige Preise schrecken viele professionelle Kunden eher ab.
Sie denken:
„Wenn das nur 300 € kostet, kann es nicht gut sein.“

Guter Preis = Vertrauen.
Günstig = Risiko.

Preispsychologie: Warum teuer oft besser wirkt

Preis ist nie nur Zahl – er ist Signal.
Wenn du hohe Preise kommunizierst (und sauber begründest), signalisierst du:

  • Expertise
  • Selbstvertrauen
  • Ergebnisorientierung
  • Sicherheit

Wenn du dagegen unsicher wirkst, deine Preise relativierst oder ständig Rabatte gibst, verliert dein Angebot an Wert – selbst wenn du gut bist.

Was wirklich zählt:

  • Kommuniziere deinen Preis ruhig, klar und begründet
  • Nutze keine Klammern oder Ausflüchte wie „normalerweise kostet das…“
  • Steh zu deinem Wert.

Wenn du willst, dass Kunden dich ernst nehmen, musst du dich selbst zuerst ernst nehmen.

Dein Preis = dein Werkzeug. Nicht dein Stolz.

Am Ende ist dein Preis nicht dein Ego – sondern ein Tool.
Er soll dir ermöglichen, gut zu leben, gut zu liefern und langfristig zu wachsen.
Er soll Kunden zeigen, dass du Klarheit hast.
Und er soll dich nicht ausbrennen.

Design ist keine Hobbyarbeit. Es ist Kommunikation, Strategie, Business.
Und das darf man sehen – und zahlen.

Rechnen ist Klarheit. Und Klarheit verkauft sich.

Paketpreise statt Einzelstunden! Wie du kalkulierst, ohne dich zu verzetteln?

Stundensätze sind ein guter Start – aber irgendwann kommst du an den Punkt, an dem reine Zeiterfassung nicht mehr dein Ziel ist. Denn:

  • Du willst nicht nach Zeit, sondern nach Ergebnis bezahlt werden.
  • Du willst Angebote schreiben, die planbar sind – für dich und deine Kunden.
  • Du willst deine Preise nicht jedes Mal neu erklären.

Der Weg dahin: Paketpreise.

Die Idee ist einfach:
Du bündelst Leistungen in logische, wiederholbare Einheiten.
Nicht mehr: „5 Stunden Screendesign à 90 €“, sondern:
„Landingpage-Komplettpaket: Konzeption, Design, 2 Feedback-Loops – 1.200 €“.

Das wirkt nicht nur professioneller – es gibt dir auch Luft. Denn:

  • Du kannst effizienter arbeiten
  • Du musst keine Minutendiskussionen führen
  • Du kommunizierst Ergebnisse, keine Aufwandsschätzungen

Und das Beste: Dein tatsächlicher Stundenlohn steigt, weil du mit Erfahrung schneller wirst – ohne weniger zu verdienen.

Tipp: Wenn du regelmäßig ähnliche Leistungen anbietest, erstelle dir Preismodell-Vorlagen – wie z. B. für:

  • Markenaufbau (Logo + Farbwelt + Typo)
  • Website (bis X Seiten, mit Basic SEO, mobil optimiert)
  • Content-Paket (Social Templates + Visuals)
  • Creatives (z. B. Ads, Social Clips, Webgrafiken)

Je klarer du dein Angebot formulierst, desto leichter ist es zu verkaufen.

Der richtige Preis für den richtigen Kundentyp

Nicht jeder Kunde ist gleich – und das ist gut so. Aber es bedeutet auch: Nicht jeder Preis passt auf jeden Kunden.

Statt dich zu fragen, ob dein Preis „zu hoch“ oder „zu niedrig“ ist, frag dich:

Für wen ist mein Angebot genau richtig?

Denn du wirst immer drei Typen treffen:

  1. Preisjäger – suchen billig, egal was du lieferst.
  2. Versteher – suchen Qualität, brauchen aber gute Erklärung.
  3. Ideal-Kunden – wissen, was sie brauchen, und sehen den Wert.

Spoiler: Du willst Nummer 2 & 3.
Den ersten Typ darfst du ganz bewusst aussortieren.
Deine Preise helfen dir dabei.

Indem du nicht zu günstig bist, filterst du automatisch Menschen, die deine Leistung nicht schätzen.
Und du ziehst die an, die Ergebnisse wollen – nicht Rabatte.

Preisverhandlung: Haltung schlägt Taktik

Der wichtigste Moment im Gespräch mit potenziellen Kunden?
Wenn du den Preis nennst – und dann nicht redest.

Viele Designer*innen bekommen hier weiche Knie.
Sie fangen an zu relativieren:
„Aber das ist verhandelbar …“
„Ich könnte dir auch einen Rabatt geben …“
„Wenn’s zu viel ist, sag einfach …“

Stopp.

Wenn du so auftrittst, sendest du ein Signal:
Ich bin nicht überzeugt von meinem Preis.

Was Kunden dann denken:
„Wenn du selbst nicht überzeugt bist – warum soll ich’s sein?“

Deshalb:

  • Nenn deinen Preis klar & ruhig
  • Schweige danach – ja, wirklich.
  • Lass den anderen reagieren – und antworte dann sachlich.

Verhandeln ist okay. Aber immer auf Augenhöhe.
Gib lieber etwas im Umfang nach als im Preis.
Oder: Biete ein kleineres Paket an – statt denselben Umfang billiger zu machen.

Psychologische Trigger: Wie du deine Preise sinnvoll präsentierst

Du musst nicht tricksen – aber du kannst klug verpacken.

Beispiele:

  • „Ab“-Preise nennen – schafft Einstiegshürde, ohne dich festzunageln
  • Dreistufige Pakete – Basic / Plus / Premium: Der Kunde entscheidet, was ihm was wert ist
  • Zahl in Relation setzen – „Das entspricht einem Design-Retainer für 3 Wochen“ klingt greifbarer als „1.600 €“

Und ganz ehrlich? Ein durchdachtes Preismodell zeigt, dass du unternehmerisch denkst – und genau das wollen die meisten Kunden sehen.

Templates, Erfahrungswerte & Learnings (aus der Praxis)

Wenn du ganz neu startest, hilft dir ein Set aus Vorlagen, um schneller & sicherer zu werden:

  • Preis-Kalkulationstabelle (Excel/Notion)
  • PDF-Angebots-Template mit Preismodulen
  • Einzeiler für E-Mail-Angebotsversand
  • Erinnerungs-Textbaustein für Nachfassmails
  • Einwände-Antworten-Liste („Können Sie am Preis noch was machen?“ etc.)

All das muss nicht komplex sein.
Aber es hilft dir, nicht jedes Mal neu ins Schwimmen zu kommen – und mit klarer Struktur aufzutreten.

Und wenn du willst, dass dein Außenauftritt genauso professionell wirkt wie dein Inneres – dann findest du auf Was du brauchst all meine Leistungen, die ich dir als externer Dienstleister bieten kann. Von Website über Design bis zu durchdachter Kommunikation.

Fazit: Preise sind Strategie – nicht Reaktion

Dein Wert liegt nicht in deiner Stundenanzahl.
Er liegt in deinem Wissen, deiner Erfahrung, deinem Blick, deinem Stil, deinem Verständnis von Design.

Wenn du deine Preise sauber kalkulierst, selbstbewusst präsentierst und so formulierst, dass sie echten Wert zeigen – wirst du merken, wie sich deine Kunden ändern.
Und wie deine Beziehung zu deiner Arbeit sich verändert.

Du arbeitest nicht mehr für Geld.
Du lieferst Wirkung – und wirst dafür bezahlt.

Und genau das ist der Unterschied zwischen „Ich bin Designerin“ und „Ich bin selbstständiger Profi mit einem Business“.

Noch ein Gedanke zum Schluss:
Wenn du dir beim Pricing nicht mehr den Kopf zerbrechen willst und stattdessen monatlich planbare Designarbeit mit echten Ergebnissen anbieten möchtest – dann schau dir meine Design Flatrate an und hol mich als externen Dienstleister mit in dein Team.
Ein Preis. Keine Diskussion. Und das volle kreative Potenzial für dich oder deine Kunden.

Hier hast du einen klaren Überblick über alle Kategorien.

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